Mit 2 Jahren noch keine 50 Wörter?
Mit 2 Jahren noch keine 50 Wörter: brauchen so kleine Kinder wirklich schon Logopädie?
Beim Kinderarzt in der U-Untersuchung und vielleicht auch in der KiTa ist davon die Rede: Spätestens mit 24 Monaten sollte ein Kind mindestens 50 Wörter sprechen können und bereits Wörter kombinieren.
Richtig angewendet lassen sich diese Meilensteine tatsächlich sinnvoll einsetzen, um Kinder zu erkennen, die ein erhöhtes Risiko für eine spätere Sprachentwicklungsstörung haben. Es ist also eine gute Idee, wenn ein 2-jähriges Kind mit einem kleinen Wortschatz und ohne Wortkombinationen zur Abklärung zur Logopädie geschickt wird.
Dort kann dann genauer untersucht werden und gemeinsam geklärt werden:
- Wie ist das Sprachverständnis des Kindes? (Achtung: im Alltag überschätzt man das Verständnis von Kindern oft, weil sie sich Dinge aus dem Kontext, der Situation oder auch den Gesten des Gegenübers erschließen können)
- Welche Wörter werden immer gleich, unabhängig (nicht nachgesprochen) und bewusst für immer das Gleiche genutzt? Wurden vielleicht Wörter nicht mitgezählt, z.B. Lautmalereien wie „wauwau“, Wörter mit falscher Aussprache oder fehlenden Silben, Namen und auch nonverbale Gebärden und Gesten? Welche Kombinationen gibt es möglicherweise? (Das Kombinieren ist übrigens viel wichtiger als die genaue Anzahl der gesprochenen Wörter)
- Wie sind die sogenannten präverbalen Fähigkeiten ausgeprägt? Dazu gehört der Blickkontakt, die gemeinsame Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand oder eine Aktivität, das Turn-taking (abwechseln mit dem Gegenüber) und die allgemeine, auch nonverbale Kommunikation und Interaktion
Wichtig ist auch, das Hören gründlich von einem Facharzt (HNO-Arzt, Pädaudiologen) abklären zu lassen, um hier nichts zu übersehen. Auch ein Kind, das augenscheinlich „alles“ hört, kann eine Hörminderung haben, die sich auf die Sprachentwicklung auswirken kann.
Gemeinsam mit den Eltern wird so herausgefunden, ob das Kind logopädische Unterstützung braucht und bei welchen Fähigkeiten des Kindes angesetzt werden kann. Die Eltern können in jedem Fall beraten werden, wie sie die Sprachentwicklung im Alltag fördern können.
Frühe spielerische logopädische Therapie lohnt sich, auch schon ab 2 Jahren! LogopädInnen sind auch für genau dieses Alter die Fachpersonen und wissen, wie sie der Sprachentwicklung in verschiedenen Stufen und Phasen einen „Schubs“ geben können bis das Kind sich dann oft wieder gut alleine weiterentwickeln kann.
Wenn einfach abgewartet wird, verstreichen möglicherweise wichtige Entwicklungsphasen und erst im Vorschul- oder Schulalter fallen dann wieder zugrunde liegende Schwierigkeiten auf.